Die DFÜ damals

Briefe, Pakete und Telefon alles in der Hand eines Unternehmens ohne Wettbewerber, das Staatsunternehmen Deutsche Bundespost.

Als Telefon gab es ein graues Wählscheibentelefon zum Telefonanschluss dazu.
Sich einfach ein x-beliebiges Telefon kaufen und anschließen war nicht. Telefone gab es nur von der Deutschen Bundespost.
Wenn man statt des schönen grauen eins in grün oder orange haben wollte musste man jeden Monat noch eine zusätzliche Gebühr bezahlen.

Alle Geräte die man am Telefonnetz betreiben wollte mussten eine FTZ Nummer haben. (Fernmedetelchnische Zulassungs Nummer).

Ein von privat bezahlbares Modem mit FTZ Nummer gab es nicht. Einzig bezahlbar und mit FTZ war der Akustikkoppler Dataphon S21-23d (Genannt DataFön).
Internet für die Allgemeinheit gab es noch nicht. Was es gab, waren Mailboxen.
Mit Mailbox meinte man nicht ein „tragbaren Anrufbeantworter“ wie heute, sondern ein elektronisches Schwarzes Brett.

Das heißt jemand hat eine Telefonleitung und einen Computer zur Verfügung gestellt.
Auf dem Computer hat er dann ein Programm installiert, was dem Anrufenden einige verschiedene Rubriken, die der Betreiber der Mailbox ersonnen hat, zur Verfügung stellte.
Die man dann lesen konnte und auch selber dort was schreiben was wieder die anderen lesen konnten.
Selber eine neue Rubrik öffnen oder gar eine in die nur Leute konnten, den man das selber gestattet, hat war nicht möglich.
Es kam dann auch ein Rubrik zum Austausch selbst geschriebener Programme dazu.

Die Leute die in einer Mailbox angerufen haben waren fast immer aus derselben Region, sonst waren die Telefongebühren zu teuer.
Was bei manche Mailboxen auch dazu geführt hat das alle sich mal irgendwo getroffen haben.
Das Niveau der Beiträge wahr höher und die Umgangsformen netter als heutzutage im Internet.

Wenn der Betreiber der Mailbox das ganze legal machen wollte hat er sich ein Datafön gekauft (was auch nicht preiswert war)
und hätte 24h am Tag neben dem Telefon zubringen müssen, um wenn es klingelt den Hörer von Telefon abzunehmen und in die Muscheln des Datafön zu drücken.
Nachdem der Anruf beendet wurde dann den Hörer wieder auf das Telefon legen. Hat natürlich keiner gemacht, sondern den Telefonhörer dauerhaft ins Datafön gesteckt.
Das am besten auch noch im Kühlschrank untergebracht, um Störungen der Datenübertragung durch die Umgebungsgeräusche zu verhindern.
Und um nicht 24h am Tag neben den Telefon zu sein hat sich der Betreiber eine kleine Mechanik aus z. B. fischertechnik gebaut
was die Gabel (2 Plastikscheiben mit einer Feder da drunter) des Telefons anstelle des Hörers runtergedrückt hat so das der Anschluss nicht besetzt ist.
Wenn es klingelt, ging die Mechanik hoch damit die Gabel hochgehen konnte so das die Verbindung zustande kam
und nach dem Anruf wieder runter damit die Gabel wieder runtergedrückt wird damit der Anschluss frei ist.
Hätte es jemand geschafft das seine dressierte Katze das mit der Gabel des Telefons macht, wäre alles Legal gewesen.
Diese kleine Mechanik war es aber nicht und somit die Mailbox illegal.

Die Deutsche Bundespost hat auch noch wenn sie eine Telefonleitung hatte, auf der immer diese piep Geräusche waren (wer das nicht kennt mal ein Faxgerät anrufen)
damals einen Durchsuchungsbefehl angestrengt und wenn da so eine Mechanik war die Mailbox beschlagnahmt und das ganze ausgewertet.
Deshalb hat auch niemand seinen realen Namen benutzt, sondern sich ein Pseudonym ausgedacht.

Die Geschwindigkeit der Datenübertragung waren 300 Baud (entspricht 30 Zeichen in der Sekunde) man konnte also mitlesen.
So das ein Anruf in einer Mailbox immer einige Zeit dauerte und da man ja nicht der
einzige war führte es dazu das die Mailbox oft besetzt war.
Wer noch ein Wählscheibentelefon kennt, kann sich vorstellen wie toll das war
oft nacheinander die Nummer der Mailbox zu wählen, um zum Zuge zu kommen.
Eine Wahlwiederholung hatte das Telefon natürlich auch nicht.
Wer so ein Telefon nicht mehr kennt einfach mal das Wählen mit einem Wählscheibentelefon auf YouTube ansehen.





Ich hatte damals ein Selbstbaumodem, für das ich den Lötkolben geschwungen habe, war natürlich illegal da keine FTZ.
Wählen konnte das Modem auch nicht so habe ich mir zum wählen ein billiges Ami-Telefon gekauft, was natürlich auch keine FTZ hatte. Somit doppelt Illegal.
Irgendwann gab es auch Modems die wählen konnten und nicht zu teuer waren, aber natürlich auch noch ohne FTZ.
Dann kamen legale und bezahlbare Modems und die Geschwindigkeit stieg nach jeweils längeren Abschnitten auch Stufenweise an.
Bis hin zu 57600 Baud. Schneller war dann nur noch ISDN (64000 Baud). Und dann kam so langsam hier und dort DSL.
Hätte ich fast vergessen, das Telefongeschäft hat man irgendwann im Laufe der Zeit aus der Post ausgelagert und die Telekom geschaffen.

Wie man sieht, fing es dunkel an und ist jetzt schon etwas heller geworden.

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